BEST OF 2016 – Top 10 Filme

Etwas verspätet lasse ich nun endlich das Filmjahr 2016 Revue passieren. Ich empfand es, was die Neuerscheinungen im Filmbereich betrifft, als ziemlich spannendes Jahr – v.a. auf internationaler Ebene. Aber auch Hollywood konnte einige interessante Beiträge beisteuern.

Platz 10 – JULIETA (R: Pedro Almodóvar, ESP 2016)

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Inhalt: Julieta, eine Frau in den 50ern, hat vor vielen Jahren den Kontakt zu ihrer Tochter verloren. Als sie deren ehemals beste Freundin auf den Straßen Madrids wiedertrifft, lässt sie die Vergangenheit wiederauferstehen.

Nach Todo sobre mi madre und Volver dreht sich Pedro Almodóvars neuester Film wiederum um die Beziehung einer Mutter zu ihrem Kind. Emma Suárez verkörpert Julieta in der Gegenwart, Adriana Ugarte (wunderbar!) die jüngere Version. Kräftige Farben, melancholische Musik und emotionale Bilder zeichnen das jüngste Werk des spanischen Kultregisseurs aus. 

Platz 9 – BLUE JAY (R: Alex Lehmann, USA 2016)

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Inhalt: Amanda und Jim waren auf dem College ein Paar. Jetzt, viele Jahre später, treffen sie zufällig im Supermarkt ihrer Heimatstadt aufeinander. Eine Nacht voller Melancholie und Offenbarungen liegt ihnen bevor.

Blue Jay stellt wohl das Highlight unter den Netflix-Eigenproduktionen 2016 dar. Dies ist seiner minimalistischen Herangehensweise zu verdanken, die auf schwarzweiße Bilder und eingängige Charakterdarstellungen setzt. Die herausragenden Darstellungen von Sarah Paulson und Mark Duplass gehören wohl zu den ehrlichsten der Filmgeschichte. 

Platz 8 – LOVE & FRIENDSHIP (R: Whit Stillman, IRL/FRA/NLD 2016)

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Inhalt: Lady Susan Vernon sucht eine passende Heiratspartie – für sich selbst und für ihre Tochter Frederica. Liebe ist dabei zweitrangig, die Vermögenswerte zählen da schon viel eher.

2016 schuf Walt Whitman mit Love & Friendship eine Jane-Austen-Verfilmung, die ungewöhnlich komisch daher kommt. Sarkastische Zwischentöne begleiten Kate Beckinsale und Co. wohin sie auch gehen. Der Wortwitz und die DarstellerInnen- allen voran Tom Bennett als Sir James Martin – machen den Film zu einem der amüsantesten des Jahres. 

Platz 7 – TONI ERDMANN (R: Maren Ade, DEU/AUT/ROU 2016)

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Inhalt: Winfried besucht nach dem Tod seines geliebten Hundes seine Tochter Ines in Bukarest, die dort aufgrund ihrer Arbeit lebt. Da sie aufgrund ihres Jobs keine Zeit für ihn hat, bringt er ihr Leben in Gestalt seines Alter Egos Toni Erdmann in Schwung.

Toni Erdmann ist wohl DER Überraschungsfilm des Jahres. Nachdem er schon in Cannes für Furore sorgte, wird er jetzt sogar als heißer Oscar-Tipp gehandelt. Maren Ade schafft es, ein skurriles Familiendrama auf die Leinwand zu bringen, welches surreal und wahrhaftig zugleich ist. Das Ades Konzept so gelungen aufging, ist den brillanten Darstellungen von Peter Simonischek und Sandra Hüller zu verdanken.

Platz 6 – KATER (R: Klaus Händl, AUT 2016)

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Inhalt: Stefan und Andreas führen gemeinsam mit ihrem Kater Moses ein glückliches Leben. Ein tragischer Zwischenfall ändert dies jäh und crasht die Beziehung des homosexuellen Paares.

Der österreichische Film Kater gehörte zu meinen persönlichen Highlights der Viennale 2016. Klaus Händl schuf damit einen Film, der einem Tage später noch im Kopf herumgeistert. Er ist sehr mutig was den Handlungsstrang, sehr offen was den Filmkontext angeht. Und das lohnt sich: Kater ist emotional, wie selten zuvor im österreichischen Kino. 

Hier geht’s zur Kritik…

Platz 5 – NERVE (R: Henry Joost & Ariel Schulman, USA 2016)

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Inhalt: Auf einer Highschool sorgt das Online-Spiel „Nerve“ für allerlei Nervenkitzel: dabei muss man als „Player“ gewisse Challenges absolvieren, die von „Watchers“ in Auftrag gegeben und beobachtet werden. Dabei kann man viel Geld verdienen, allerdings sind die Herausforderungen nicht immer ganz legal und ungefährlich. Vee und Ian steigen schnell zu den populärsten Spielern auf, doch in der Welt von Nerve hat Erfolg einen hohen Preis.

Die Hauptdarsteller von Nerve Emma Roberts und Dave Franco – erscheinen sympathisch und harmonisieren miteinander, auch die NebendarstellerInnen wurden passend gecastet. Der stylische Coming-of-Age-Film von den Catfish-Machern Ariel Schulman & Henry Joost persifliert gekonnt das technische Zeitalter, das von Smartphones und Tablets dominiert wird und übt gleichzeitig Sozialkritik an dem heutigen Zeitgeist. Letztendlich sind wir doch alle selbst „Watcher“ oder „Player“…

Platz 4 – L’AVENIR (R: Mia Hansen-Løve, FRA/DEU 2016)

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Inhalt: Nathalie, eine Professorin der Philosophie, fühlt sich das erste Mal seit langer Zeit mit einem ungewöhnlichen Zustand konfrontiert: der Freiheit. Nach dem Tod ihrer Mutter kommt es zur Trennung von ihrem Mann und die Kinder starten ebenfalls selbstständige Leben. Mithilfe eines ehemaligen Schülers begibt sie sich deshalb auf eine besondere Reise: der Suche nach sich selbst.

Mia Hansen-Løves Stärke liegt vor allem darin, in ihren Filmen ProtagonistInnen zu erschaffen, die sich an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt befinden. So auch in L’avenir. Ironisch und pointiert setzt sich Hansen-Løve mit intellektuellen Fragen um die menschliche Existenz auseinander. Und bringt den Zuseher selbst zum Grübeln über die eigenen Ideale und Ziele. 

Hier geht’s zur Kritik…

Platz 3 – ARRIVAL (R: Denis Villeneuve, USA 2016)

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Inhalt: Nachdem an verschiedenen Orten der Welt zwölf Raumschiffe landen, wird die Sprachwissenschaftlerin Dr. Louise Brooks herbeigerufen, um die Sprache der Fremdlinge zu untersuchen. Hilfe bekommt sie vom Physiker Ian Connelly, mit dem gemeinsam sie die Kommunikation mit den Außerirdischen gewährleisten muss, um einen Krieg zu vermeiden.

Über Arrival wurde 2016 viel geschrieben und diskutiert, vor allem im positiven Sinne. Der Überraschungshit des Science-Fiction-Faches konnte durch eine geradezu philosophische Herangehensweise an die Thematiken Sprache und Kommunikation punkten und dies anhand einer übernatürlichen Story festmachen. Dass die gelingt, ist auch hier vor allem den überzeugenden Darstellern – allen voran Amy Adams und Jeremy Renner – zu verdanken, sowie Regisseur Villeneuve und Jóhann Jóhannsson, der für die Musik zuständig ist. Die dröhnende Musik geht einem nämlich, hat man sie einmal gehört, nicht so schnell aus dem Kopf. 

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Platz 2 – VICTORIA (R: Justine Triet, FRA 2016)

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Inhalt: Die Anwältin Victoria ist Ende 30, geschieden und Mutter zweier Kinder. Auf einer Hochzeit trifft sie auf ihren ehemaligen Klienten Sam, Drogendealer von Beruf, der ihre neue Nanny wird. Mit seiner Hilfe muss sie ihren alten Freund Vincent vor Gericht vertreten. Blöd nur, dass der einzige Zeuge ein Hund ist.

Auch wenn die Inhaltszusammenfassung wie ein schlechter B-Movie klingt, kann Justine Triets Victoria (nicht zu verwechseln mit Sebastian Schippers Films aus dem Jahr davor) auf mehreren Ebenen überzeugen. Die zeitgemäße Komödie unterhält nicht nur gut, sondern weißt auch massenhaft Tiefgang auf. Es ist wohl der Film, der mich 2016 am meisten überrascht hat, da ich ihn so gar nicht am Schirm hatte. 

Filmstart D/Ö: 4.Mai 2017

Platz 1 – ELLE (R: Paul Verhoeven, FRA/DEU/BEL 2016)

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Inhalt: Das Vergewaltigungsopfer Michèle begibt sich auf die Suche nach dem Täter des Verbrechens. Die erfolgreiche Businessfrau will sich nämlich nicht durch ihrer neue Opferrolle definieren. Als der Täter schlussendlich entlarvt wird, beginnt ein wahrhaftes Katz-und-Maus-Spiel.

Der Psychothriller Elle des niederländischen Filmemachers Paul Verhoeven ist ein wahrer Geheimtipp. Perfekt inszeniert steht Isabelle Huppert im Mittelpunkt des Films, der mit den gängigen Moralvorstellungen bricht. Für mich war 2016 das Jahr von Isabelle Huppert, die mit zwei überragenden Darstellungen glänzen konnte. 

Filmstart D/Ö: 16.Februar 2017

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Update 28.02.2017.: Leider habe ich erst später Moonlight gesehen! Der würde nun auf jeden Fall in den Top 3 landen.

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2 Gedanken zu „BEST OF 2016 – Top 10 Filme

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