MOONLIGHT

R: Barry Jenkins, USA 2016

Eine Lebensgeschichte. 

Es war wohl die Überraschung der Oscar-Verleihung 2017: Moonlight gewinnt den Preis für den besten Film. Somit stellt der Beitrag von Regisseur Barry Jenkins nach McQueens 12 Years a Slave den zweiten ausgezeichneten „Best Picture“-Film dar, der von einem schwarzen Regisseur beigesteuert wurde. Aber nicht nur das, auch die Handlung passt so gar nicht in das typische Hollywood-Schema, dass grundsätzlich von der weißen Oberschicht dominiert wird: Die Handlung begleitet den jungen Schwarzen Chiron in drei Phasen seines Lebens. Homosexualität, Außenseitertum und ärmliche Verhältnisse sind dabei die zentralen Themen, mit denen der junge Mann konfrontiert wird. Benannt sind die drei Teile, in die sich der Film gliedert, nach Chirons jeweiligem Spitznamen, die er während der jeweiligen Altersklasse verliehen bekam.

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Im ersten Teil – Little – sieht man Chiron (Alex R. Hibbert) als Kind, wie er mit seiner drogensüchtigen Mutter Paula (Naomi Harris) unter prekären Verhältnissen lebt. Er findet in dem kubanischen Einwanderer und Drogenhändler Juan (Mahershala Ali) und seiner Frau Teresa (Janelle Monáe) Ersatzeltern, die ihm bedeutende Ratschläge mit auf den Weg geben.

Eindrucksvoll ist hier wohl vor allem die Szene, in der Juan Little das Schwimmen beibringt. Sie erinnert an eine Taufe, in dem der Mann Vertrauen zu dem Jungen aufbauen und dessen Selbstbewusstsein stärken kann. Alis Darstellung zählt zu den eindringlichsten des Films, wofür er auch mit dem Oscar für „Best Actor in a Supporting Role“ geehrt wurde. So ist auch seine letzte Szene eindrucksvoll, wenn er in Tränen ausbricht, nachdem Little ihm verdeutlicht hat, dass er – als Drogendealer der Mutter, wie später herauskommt – auch Schuld an der misslichen Situation des Jungen hat.

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Der zweite Teil – Chiron – handelt von Chirons (Ashton Sanders) Teenagerjahren. Er nimmt auf seiner Highschool die Rolle des Außenseiters ein. Allein sein bester Freund Kevin (Jharrel Jerome) stellt seine einzige Bezugsperson neben Teresa – deren Mann Juan bereits verstorben ist – dar, mit dem er am Strand von Miami seine ersten sexuellen Erfahrungen erlebt. Als ihn Kevin jedoch aufgrund einer Mutprobe verprügelt, bricht für Chiron eine Welt zusammen.

Auch hier nimmt das Wasser und der weiße Sandstrand von Miami eine zentrale Rolle ein, wenn die beiden Jungen sich das erste Mal annähern. Für Chiron soll es das erste und für lange Zeit auch das letzte Mal sein, dass er körperliche Nähe zulässt.

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Im letzten Teil – Black – hat sich Chiron (Trevante Rhodes) einen Namen als Drogendealer gemacht. Nachdem er aufgrund eines Ausbruchs in der Schule ins Jugendgefängnis gebracht wurde, zog er nach Atlanta, trainierte seinen Körper und stieg ins Drogengeschäft ein. Nach einem Anruf von Kevin (André Holland) kommt er in seine Heimatstadt zurück und besucht auch seine Mutter, die sich in einer Entzugsklinik befindet und ihn um Verzeihung bittet.

Der erwachsene Chiron wird als muskulöser Mann dargestellt, mit goldenen Grills und Goldkette, was ganz konträr zu dessen Erscheinungs- und Selbstbild der Jugendjahre erscheint. Im Gespräch mit seinem ehemals besten Freund wird allerdings verdeutlicht, dass er immer noch verschlossen und zum Teil auch unsicher ist, wenngleich auch besser damit umzugehen weiß.

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Barry Jenkins stilles Meisterwerk basiert auf dem Theaterstück In Moonlight Black Boys Look Blue (der Titel kommt auch innerhalb des Filmes vor, wenn Juan Little von einer Geschichte erzählt, die ihm seine Großmutter schilderte) von Taren Alvin McCraney, welches auf persönlichen Erlebnissen basiert, jedoch nie aufgeführt wurde. McCraney und Jenkins konnten auch den Oscar in der Kategorie „Best Adapted Screenplay“ für sich beanspruchen, was den letzen von insgesamt drei Stück ausmachte.

Was soll man über Moonlight sagen: die Kameraführung ist großartig, die musikalische Untermalung sehr stilvoll, die farbliche Gestaltung ästhetisch formvollendet (v.a. der blaue Farbstich, mit dem Bezug zum Wasser). Das Spiel der Schauspieler verleiht dem Film einen leibhaftigen Charakter. Die drei Teile – jeder für sich originell – stellen alle empfindsame Einblicke in das Leben eines jungen schwarzen Mannes dar, zusammengesetzt bringen sie allerdings einen Film hervor, der sicherlich zu den ehrlichsten und einprägsamsten der letzen Jahre gehört. Und nicht zu vergessen, das Statement, das damit abgegeben wird: Egal ob schwarz oder weiß, homo- oder heterosexuell, arm oder reich (und miteinbegriffen alle Kategorien darum und dazwischen) – jede(r) entscheidet selbst, wer er/sie sein will.

Kinostart (D): 09. März 2017 | Kinostart (Ö): 10. März 2017

DVD-Release: wird noch bekannt gegeben

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